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Die Bibliothek Franz Fühmanns

Franz Fühmann (1922-1984), einer der wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und schon zu seinen Lebzeiten weit über die Grenzen der DDR hinaus bekannt, war ein unvergleichlicher Bücherliebhaber und Büchersammler. Seine ca. 17.000 Bände umfassende Arbeitsbibliothek beinhaltet Literatur aus den verschiedensten  Bereichen. Eng verknüpft mit seinem literarischen Schaffen sind  ihre wichtigsten Schwerpunkte die deutschsprachige Literatur 18. bis 20. Jahrhundert, englische und französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, Märchensammlungen, Mythologie, Kunst, Philosophie, Religion, Geschichte, Politik, Soziologie, Psychologie und Psychoanalyse, aber auch Fachliteratur zum Bergbau und viele Nachschlagewerke und Lexika.

Eine große Anzahl wertvoller Erstausgaben (besonders der expressionistischen Literatur) und einige äußerst seltene Privatdrucke mit geringer Auflagenhöhe, sowie Bücher mit originalgraphischen Arbeiten  befinden sich darunter.

Als ein Maß der hohen Wertschätzung des Dichters und Menschen Franz Fühmann können die über 5 lfd. Meter Widmungsexemplare angesehen werden  –  neben zwei Literatur-Nobelpreisträgern ist die Liste prominenter Namen lang.

Einzigartig und damit für jeden Literaturwissenschaftler, Forschenden und Fühmann-Kenner  von höchstem Interesse sind besonders die zahllosen (oft farbigen) Anstreichungen, Marginalien und Notizzettel in den Büchern seiner Bibliothek und die damit in unmittelbarem Zusammenhang stehenden Zettelkästen (6 mit vollgeschriebenen Karteikärtchen prall gefüllte Karteikästen), die ebenfalls zur Bibliothek gehören. Typisch auch oftmals die Kennzeichnung der Bücher auf der Titelseite mit seinem Namenszug.

Neben Büchern und Zeitschriften lassen sich aber auch themenbezogene Konvolute von Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitten oder Heften und Broschüren, sowie Fotos, Landkarten, Kunstdrucke und ähnliches zwischen seinen Büchern finden; aber nicht nur das, auch sehr viele handschriftliche und maschinegeschriebene Manuskripte, Vorstufen oder Notizen zu seinen Werken von ihm, sowohl Manuskripte anderer als auch Postkarten und Briefe an ihn (Uwe Greßmann, Rainer und Sarah Kirsch, Wolfgang Hilbig, Christa Wolf u.v.a.m.). Die Bibliothek Franz Fühmanns trägt somit nicht nur den Charakter einer Arbeits-, sondern auch einer Nachlaßbibliothek.
 
Franz Fühmanns Bibliothek war zu seinen Lebzeiten auf drei Standorte verteilt: die Wohnung am Strausberger Platz, die Hütte seines Arbeitsdomizils in Märkisch Buchholz und eine Berliner Ladenwohnung. Nun erstmalig steht diese einzigartige Büchersammlung seit Anfang des Jahres 2003 in den Historischen Sammlungen der Zentral- und Landesbibliothek Berlin  zusammen und der Forschung zur Verfügung, übersichtlich und nach Fachgebieten geordnet.

Volker Scharnefsky

Link: Zentral- und Landesbibliothek Berlin - Historische Sammlungen